
Bewegung als Chance: Warum Bewegung/Sport die beste „Literatur“ für das ADHS-Gehirn ist
Wer an ADHS denkt, hat oft das Bild von rastloser Energie, fliegenden Gedanken und Konzentrationsschwierigkeiten vor Augen. Doch was passiert, wenn wir diese Energie nicht bremsen, sondern ihr ein Drehbuch geben?
In unserer Reihe „Literatur und mehr“ blicken wir heute über den Tellerrand der geschriebenen Worte hinaus, direkt auf den Sportplatz. Denn das Bundesamt für Sport (BASPO) hat mit seinem aktuellen Fokus-Dossier „ADHS – Bewegung als Chance“ gezeigt, dass Sport und Bewegung wie eine packende Geschichte funktionieren: Sie brauchen Struktur, Rhythmus und einen klaren Fokus.
Die Parallele: Geschichten im Kopf, Action auf dem Platz
Ein gutes Buch fesselt uns, weil es einer klaren Struktur folgt. Genau diese Struktur brauchen Kinder und Jugendliche mit ADHS auch im Alltag und im Sportverein. Das BASPO setzt hier auf simple, aber geniale „Regieanweisungen“ für Trainer und Lehrpersonen:
-
Klare Kapitel statt Textwüsten: Kurze, prägnante Erklärungen statt langer Monologe.
-
Feste Rituale als roter Faden: Feste Start- und Endrituale geben dem Training den nötigen Rahmen – wie der Anfang und das Ende eines guten Buches.
-
Bewegte Brücken: Keine unstrukturierten Pausen, in denen die Konzentration abreisst, sondern fliessende, aktive Übergänge.
„Meine Superkraft“: Vom Störenfried zum Hauptdarsteller
Oft wird ADHS als Defizit gesehen. Doch im richtigen Setting wird der vermeintliche Makel zur Superkraft. Eine hohe Reaktionsschnelligkeit, enorme Begeisterungsfähigkeit und die Fähigkeit zum „Hyperfokus“ machen diese Kinder zu idealen Hauptdarstellern in vielen Sportarten.
Sport ist in diesem Sinne die lebendigste Form von Literatur: Er schreibt Geschichten von Inklusion, Teamgeist und persönlichem Wachstum. Wenn wir lernen, die Symptome nicht als Blockade, sondern als unbändige Energie zu verstehen, schreiben wir gemeinsam Erfolgsgeschichten.
Konkrete Übungsbeispiele aus dem Dossier
Das BASPO setzt auf Good-Practice-Beispiele, die unruhigen Phasen entgegenwirken und Stärken betonen.
-
Start-Ritual – „Los geht’s!“: Bündelt die Aufmerksamkeit vor Trainingsbeginn. Auf ein akustisches Signal (z. B. zweimal klatschen) folgen drei feste Schritte:
-
Bewegung aktivieren: Alle machen 5 Hampelmänner.
-
Fokus herstellen: Alle stehen still und atmen tief ein und aus.
-
Startsignal: Die gesamte Gruppe ruft gemeinsam: „Los geht's!“.
-
-
Aktive Übergänge – „Bewegte Brücke“: Verhindert Unruhe beim Wechsel von Stationen. Statt unstrukturierter Wartezeit bewegen sich die Kinder mit einer klaren, einfachen Aufgabe (z. B. wie ein Tier hüpfen oder balancieren) von einer Hallenseite zur anderen.
-
Meine Superkraft im Sport: Konzentriert sich auf Ressourcen wie schnelle Reaktionen oder hohe Sprungkraft. Es werden kleine Stationen aufgebaut, bei denen Kinder ihre Energie gezielt einsetzen und positive Bewegungserfahrungen sammeln können
Mehr erfahren?
Möchten Sie tiefer in das Thema eintauchen? Das vollständige Dossier mit praxisnahen Beispielen und Spielen finden Sie direkt beim BASPO auf mobilesport.ch.
Was sind Ihre Erfahrungen? Wie hilft Ihnen Bewegung, den Kopf für gute Literatur freizubekommen?
